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Dr. Wolf-Karsten Hofmann (Universitätsklinik Frankfurt a.M.) und das Team Dr. Ulrich Laufs, Dr. Matthias Endres und Dr. Christopher Heeschen (Universitätsklinikum Homburg, Charité Berlin, Universitätsklinikum Frankfurt a.M.) sind heute für ihre Forschungen zur Leukämietherapie bzw. zur Statinwirkung mit dem Paul-Martini-Preis 2002 geehrt worden. Damit würdigte die Paul-Martini-Stiftung, Berlin, die herausragenden Leistungen der Preisträger in der klinisch-therapeutischen Arzneimittelforschung. Die Verleihung fand in Wiesbaden im Rahmen der Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) statt. Der mit insgesamt 25.000 Euro dotierte, international ausgeschriebene Preis wird jährlich verliehen.
Empfindlichkeit gegen Leukämiemittel lässt sich vorhersagen
Dr. Wolf-Karsten Hofmann von der Medizinischen Universitätsklinik III, Frankfurt a.M., konnte zeigen, dass für das unterschiedliche Ansprechen von Patienten mit akuter lymphoblastischer Leukämie auf Imatinib Unterschiede in der Genexpression verantwortlich sind. Dank der Entschlüsselung des Humangenoms und Fortschritten bei der Genanalyse können seit jüngster Zeit die Profile der in Zielzellen exprimierten Gene identifiziert und mit klinisch unterschiedlichen Phänotypen korreliert werden.
Diese Methodik wendete Hofmann auf die lymphoblastische Leukämie an, für die der Tyrosinkinase-Inhibitor Imatinib (STI571) eine neuartige, hoch wirksame therapeutische Option darstellt.
Gegen dieses Medikament entwickeln sich allerdings bei der Mehrzahl der Patienten innerhalb weniger Monate Resistenzen. In einer Phase-II-Studie wurden Zellen von 19 Patienten vor oder während der Imatinib-Therapie gewonnen und die Genexpression mittels Oligonukleotid-Mikroarrays untersucht. Expressionsanalysen von 95 Genen erlaubten es, alle sensitiven von den resistenten Zellproben zu unterscheiden. Damit wurde die präzise Aussagekraft dieser neuen diagnostischen Methodik demonstriert.
Wie die Jury hervorhob, sind die Ergebnisse von erheblicher klinischer Relevanz für die prognostische Bewertung des Responder/Nonresponder-Status gegenüber Imatinib. Darüber hinaus sind sie ein zukunftsweisendes Beispiel für den Weg zur individualisierten Therapie mittels Pharmakogenetik und Pharmakogenomik.
Cholesterin-unabhängige Effekte von "Cholesterinsenkern" bei Gefäßerkrankungen
Statine sind zur Therapie eines gestörten Lipidstoffwechsels etabliert. Ihre gefäßprotektive Wirkung wurde bislang damit erklärt, dass sie durch Hemmung der hepatischen Cholesterinsynthese die entsprechenden Blutwerte günstig beeinflussen. Dr. Ulrich Laufs (Medizinische Klinik und Poliklinik, Innere Medizin III, Universitätsklinikum, Homburg/Saar), entdeckte jedoch gemeinsam mit Dr. Matthias Endres (Klinik und Poliklinik für Neurologie der Charité, Humboldt-Universität zu Berlin) und Dr. Christopher Heeschen (Abteilung für Molekulare Kardiologie, Universitätsklinikum Frankfurt a.M.) cholesterinunabhängige Wirkungen der Statine.
Sie setzen u.a. an der Stickstoffmonoxidbildung im Endothel an. Als wesentlichen Zwischenschritt identifizierten die Mediziner die Hemmung von Geranyl-Geranyl-Pyrophosphat, das sonst mit dem kleinen Protein Rho reagiert. Rho wiederum beeinflusst die Bildung von Stickstoffmonoxid. Das Team konnte ferner auf molekularer Ebene zeigen, das nach plötzlichem Absetzen der Statine eine überschießende Gefäßreaktion auftreten kann - ein möglicherweise gefährliches Rebound-Phänomen. Daraufhin untersuchten sie retrospektiv 1616 Patienten mit akut aufgetretenen Kranzgefäßverengungen und zeigten, dass das Absetzen der Statine direkt nach der Krankenhausaufnahme tatsächlich das Herz-Kreislauf-Risiko signifikant erhöhte (PRISM-Studie). Es lag sogar höher als bei Patienten, die nie Statine erhalten hatten und war unabhängig von den Ausgangswerten für Cholesterin. Den Ergebnissen zufolge sollte daher ein apruptes Absetzen der Statine bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom vermieden werden. Damit, so die Jury, hätten die Forschungen zum sichereren Umgang mit diesen Arzneimitteln beigetragen
Die Jury
Die fünfköpfige Jury bestand aus Prof. Dr. Walter Lehmacher (Institut für Medizinsiche Statistik, Informaitk und Epidemiologie, Universität zu Köln), Prof. Dr. Michael P. Manns (Zentrum für Innere Medizin, Medizinische Hochschule Hannover), Prof. Dr. Stefan C. Meuer (Institut für Immunologie, Universität Heidelberg), Prof. Dr. Dr. h.c. Peter C. Scriba (Klinikum Innenstadt, Universität München) und Prof. Dr. Martin Wehling (Klinikum der Stadt Mannheim, Universität Heidelberg). Alle sind ausgewiesene Experten auf dem Gebiet der klinischen Forschung.
Die Paul-Martini-Stiftung
Die gemeinnützige Paul-Martini-Stiftung, Berlin, fördert die Arzneimittelforschung sowie die Forschung über Arzneimitteltherapie und intensiviert den wissenschaftlichen Dialog zu Fragen der Arzneimittelforschung und -entwicklung zwischen medizinischen Wissenschaftlern in Universitäten, Krankenhäusern, der forschenden pharmazeutischen Industrie und anderen Forschungseinrichtungen sowie Behörden. Der Paul-Martini-Preis wird alljährlich für herausragende Leistungen bei der Entwicklung wissenschaftlicher Methoden zur Beurteilung klinisch-pharmakologischer und therapeutischer Maßnahmen sowie zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit auf diesem Gebiet verliehen.
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