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Bessere Behandlung von Sepsis und Lymphknotenkrebs: Klinische Forscher ebnen den Weg
Paul-Martini-Preis 2009 verliehen
Die Preisträger Professor Christian Weber und Professor Jürgen Bernhagen. v.l.n.r.: Prof. Dr. Scriba, Dr. Engel, Prof. Dr. Brunkhorst, Prof. Dr. Bargou, Prof. Dr. Strohmeyer.

Wiesbaden, 20.04.2009 (PMS). Gleich zwei medizinische Leistungen haben in diesem Jahr den Paul-Martini-Preis errungen, der für herausragende Leistungen in der klinisch-therapeutischen Arzneimittelforschung vergeben wird: Prof. Dr. med. Ralf C. Bargou wurde ausgezeichnet für den ersten Beleg, dass ein neuartiger Wirkstoff gegen eine Form von Lymphknotenkrebs wirksam ist. Prof. Dr. med. Frank Martin Brunkhorst und Dr. med. Christoph Engel erhielten den Preis für den Nachweis, dass zwei Maßnahmen, mit denen Sepsispatienten viele Jahre lang behandelt wurden, unwirksam sind. Die Verleihung fand im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden statt. Der Preis wird jährlich von der Paul-Martini-Stiftung, Berlin, verliehen und ist mit insgesamt 25.000 Euro dotiert.

Prof. Dr. med. Ralf C. Bargou leitet am Universitätsklinikum Würzburg eine Abteilung für klinische Studien, die Early Clinical Development Unit. Dort testete er erstmals den neuartigen Antikörper Blinatumomab gegen eine Form von Lymphknotenkrebs, das B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom. In Laborversuchen hatte der gentechnisch erzeugte Antikörper schon gezeigt, dass er Immunzellen mit Krebszellen "vertäuen" kann, was letzteren den Tod bringt. Auch hatte er sich in Tierexperimenten bewährt. 2008 konnte Bargou den Antikörper erstmals bei 38 Patienten erproben, und mit Erfolg! Schon in geringen Konzentrationen bekämpfte Blinatumomab in vielen Fällen die Krebszellen und war dabei verträglich. Zwar werden noch Jahre und viele weitere Studien nötig sein, um zu erweisen, wie nachhaltig die Wirkung ist und welche Risiken mit der Behandlung einher gehen. Bargous Studie hat dafür jedoch die Grundlage gelegt.

Prof. Dr. med. Frank Martin Brunkhorst, Universitätsklinikum Jena, und Dr. med. Christoph Engel, Universität Leipzig, forschen seit Jahren im Rahmen des vom Bundesforschungsministerium geförderten Kompetenznetzes Sepsis. Die Sepsis - oft auch "Blutvergiftung" genannt - ist eine lebensbedrohliche Komplikation von Infektionskrankheiten, die viele Organsysteme in Mitleidenschaft zieht. Vieles wurde schon versucht, um die Körperfunktionen von Sepsis-Patienten zu stabilisieren, doch nur wenige Maßnahmen wurden validiert.

In einer Studie konnten Brunkhorst und Engel zeigen, dass zwei lange gebräuchliche Maßnahmen - Infusionen mit Hydroxyethylstärke-Lösung und Insulininjektionen in besonders hoher Dosierung - den Sepsispatienten keinen Überlebensvorteil bringen, aber die Rate von Komplikationen steigern. Diese Ergebnisse haben seither weltweit die Behandlung von Sepsispatienten verändert. In einer anderen Untersuchung stellten die beiden Mediziner zudem fest, dass die Bedeutung der Sepsis in Deutschland um ein vielfaches unterschätzt worden ist: Mit ca. 60.000 Todesfällen jährlich, so ihr Ergebnis, ist Sepsis die dritthäufigste Todesursache.

"Die prämierten Arbeiten zeigen, dass klinische Forscher ebenso wertvolle Beiträge zur Medizin leisten können, wenn sie neuen Therapien den Weg ebnen, wie wenn sie bisher nicht abgesicherte therapeutische Maßnahmen auf den Prüfstand stellen", so der Vorsitzende der Jury Prof. Dr. Dr. h.c. Peter C. Scriba von der Ludwig-Maximilians-Universität München in seiner Laudatio.

Die Paul-Martini-Stiftung
Die gemeinnützige Paul-Martini-Stiftung, Berlin, fördert die Arzneimittelforschung sowie die Forschung über Arzneimitteltherapie und intensiviert den wissenschaftlichen Dialog zwischen medizinischen Wissenschaftlern in Universitäten, Krankenhäusern, der forschenden Pharmaindustrie, anderen Forschungseinrichtungen und Vertretern der Gesundheitspolitik und der Behörden.

Träger der Stiftung ist der vfa, Berlin, der als Verband derzeit 47 forschende Pharma-Unternehmen vertritt.

Die Stiftung ist benannt nach dem herausragenden Bonner Wissenschaftler und Arzt Professor Paul Martini (1889 - 1964), in Würdigung seiner besonderen Verdienste um die Förderung und Weiterentwicklung der klinisch-therapeutischen Forschung, die er mit seiner 1932 veröffentlichten "Methodenlehre der therapeutischen Untersuchung" über Jahrzehnte wesentlich geprägt hat. Nach ihm ist auch der jährlich von der Stiftung verliehene Preis für herausragende klinische Forschung benannt.


Die Pressemitteilung, Lebenslauf und Fotos der Preisträger können heruntergeladen werden.

Presseerklärung der Paul-Martini-Stiftung (Allgemein) (.pdf)
Presseerklärung der Paul-Martini-Stiftung (Fachpresse) (.pdf)
Foto des Preisträgers Prof. Dr. med. Ralf Bargou (.jpg)
Foto des Preisträgers Prof. Dr. med. Frank M. Brunkhorst (.jpg)
Foto des Preisträgers Dr. med. Christoph Engel (.jpg)
Lebenslauf des Preisträgers Prof. Dr. med. Ralf Bargou (.pdf)
Lebenslauf des Preisträgers Prof. Dr. med. Frank M. Brunkhorst (.pdf)
Lebenslauf des Preisträgers Dr. med. Christoph Engel (.pdf)


Die Preisträger
Prof. Dr. med. Ralf Bargou
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Leiter des Schwerpunktes Hämatologie/Onkologie
Medizinische Klinik und Poliklinik II
Klinikstraße 6-8
97070 Würzburg
Tel: +49 931 201-70150
Fax: +49 931 201-70282
E-Mail: bargou_r@klinik.uni-wuerzburg.de
Prof. Dr. med. Frank M. Brunkhorst
Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie
Erlanger Allee 101
07740 Jena
Tel: +49 3641 93-23384
Fax: +49 3641 93-34769
E-Mail: frank.brunkhorst@med.uni-jena.de
Dr. med. Christoph Engel
Universität Leipzig
Institut für Medizinische Informatik,
Statistik und Epidemiologie (IMISE)
Härtelstraße 16-18
04107 Leipzig
Tel: +49 341 97-16124
Fax: +49 341 97-16109
E-Mail: christoph.engel@imise.uni-leipzig.de
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